//Österreich und Europa – was wir tun können

Österreich und Europa – was wir tun können

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Das etwas andere Jubiläum

Ende März beging die Europäische Union das 60 Jahr-Jubiläum ihrer Gründung. Ein Freudenfest sieht wahrlich anders aus. Zu stark ist die Verunsicherung über unlösbar scheinende Probleme wie die Bewältigung der Flüchtlingsproblematik, Staatsverschuldungen, politische Erdbeben durch nationalistische, populistische und protestorientierte Neulinge auf der Politbühne; über allem steht der Schock über den Brexit und die Sorge vor Nachahmungsversuchen.

Die Verquickungen

Die Probleme hängen alle irgendwie zusammen. Die Staatsverschuldungen mancher Länder sind Teil der Eurokrise, es war und ist viel zu einfach und billig, Staatsschulden im Euroraum zu machen ohne sich einem strengen Regelwerk unterwerfen zu müssen. Dieser Konstruktionsfehler des politisch motivierten Euroraumes rächt sich heute bitter. Dies führt in all jenen Ländern, welche die überschuldeten Länder aus der Krise heraus finanzieren, zu Unmut und das gibt Auftrieb für Protestbewegungen. Die mit den Hilfspaketen verbundenen Reform- und Sanierungsauflagen führen wiederum zu massiven Protesten der Bürger der Empfängerländer, man fühlt sich von den reichen Gebern erpresst. Das ohnehin sensible politische Gefüge Europas gerät darob aus den Fugen, Protestbewegungen dominieren die politische Bühne und Wahlergebnisse.

Ein neues Europa –
mehr Vereinigte Staaten oder mehr Individualität

Es darf daher nicht wundern, dass ein auf 28 Mitglieder gewachsenes Europa keine koordinierte Antwort findet bei globalen Problemen, wie Kriegen und Instabilität in Nahost und den damit verbundenen Flüchtlingsströmen; auch bei der Ukrainekrise samt Russlandembargo ließ sich Europa strategiepolitisch eher treiben.

Das Verhalten Europas gegenüber all diesen Krisen und Herausforderungen nimmt alle Hoffnung, dass aus Europa je ein großes politisches Kollektiv wie die Vereinigten Staaten wird – zu unterschiedlich und vielfältig sind Kulturen, Sprachen und Völker, zu alt und vielfältig deren Geschichte und Ursprünge.

Ein klares Bekenntnis zur Individualität bzw. Eigenständigkeit kommt uns aber sehr entgegen, es ist das Besondere an unserem alten Kontinent und wir fühlen uns sehr wohl damit. Genau an diesem Hochhalten am Individuum, an der persönlichen Freiheit und Unterschiedlichkeit lässt sich das ablesen, was wir als westliche Werte bezeichnen. Es sind auch genau diese für uns selbstverständlich gewordenen westlichen Werte, welche noch immer große Anziehungskraft ausüben.

Kontinent der Hauptstädte – Wien als ein Zentrum

Das politische Europa wird also immer ein Kontinent der Hauptstädte bleiben – Berlin, Paris, Rom und auch Wien werden Schwerpunkte setzen können, andere werden folgen.

Österreich und Wien als Weltstadt mit seiner Geschichte als kaiserliche Residenz eines supranationalen Staates könnte einiges beitragen, um Regierungen und Positionen zusammenzubringen und einen gemeinsamen Nenner zu finden – der Erfolg von Verhandlungen hat ja auch immer einen atmosphärischen Hintergrund. Österreich hat es auch in der Hand, zusammen mit seinen Nachbarn, mit denen es historisch so eng verbunden ist, durch konkrete Vertiefung der Integration dafür zu sorgen, dass nicht jede unserer Nationen den Gefahren der Zukunft alleine ausgesetzt ist. Vielmehr sollten wir gemeinsam eine Säule für ein Europa der individuellen Vielfalt und des Zusammenhalts werden, zu dem es keine vernünftige Alternative gibt. Österreich und die Österreicher sind lebendiger Beweis dafür, wie mit einer unaufgeregten Gelassenheit unterschiedliche nationale Herkünfte überwunden werden können, wie durch Interesse, Zuhören und Geduld Fremde aufgenommen werden können. Der Lohn dafür ist, dass historisch betrachtet die meisten großen Österreicher Zugereiste waren und dass heute noch Österreich als Land mit höchster Lebensqualität gilt, trotz der so kurzsichtig gewordenen Politik. Durch diese Einstellungen und gelebten Werte kann Österreich eine große Rolle in Europa einnehmen, sie müssen in Wirtschaft und Politik als Spiegelbilder der Gesellschaft sichtbar werden.

2018-01-04T10:56:16+02:00