//Erntejahr 2017 – die Herausforderung heißt Dürre!

Erntejahr 2017 – die Herausforderung heißt Dürre!

So sieht ein Winterweizen unter 2t/ha Ertrag aus
© Gutsverwaltung Hardegg

Extrem gestauchter Bio-Mais - muss der Mähdrescher überhaupt kommen?
© Gutsverwaltung Hardegg

Ertragseinbußen über 50%

Die Ernteergebnisse korrelieren mit den Niederschlägen. Im Pulkautal im nordwestlichen Weinviertel beispielsweise fielen zwischen Anfang März und Ende Juni gerade einmal 100 mm Niederschlag; diese Menge fällt in Regionen an der Westbahn und in Oberösterreich normal in einem Monat. Anhand der beiliegenden NÖ Karten (MärzAprilMaiJuni) erhält man ein gutes Gefühl für die unterschiedlichen Niederschlagszonen und die engen Schichten zwischen dem feuchten Klima der Voralpen und des Donauraumes und dem stark kontinental geprägten Klima im Nordosten.

2017 stellt keine Ausnahme dar, sondern nur ein Extrem mit mehr Hitzetagen und mehr Trockenheit. Wobei aufmerksame Landwirte beobachten können, dass Spätfröste mit Trockenheit korrelieren und Trockenheit mit Hitze – wo besonders trockene Verhältnisse sind, sind Spätfröste Mitte Mai häufig und führen zu großem Schaden. Und dort, wo es besonders trocken ist, sind auch keine Wolken und dadurch mehr Sonneneinstrahlung mit signifikant höheren Temperaturen. Im Ergebnis brachte all dies im nördlichen Weinviertel/Pulkautal die schlechteste Ernte seit dem lokal verheerenden Spätfrostjahr 2012, welches für sich wiederum eine Ausnahmeerscheinung in den vergangenen 30 Jahren darstellte. Bei Weizen wurden heuer Ertragseinbußen über 50% eingefahren, anstatt 7t/ha waren es unter 3t. Bei Raps kamen die Betriebe auf keine 1,5t und im Bereich der Herbstkulturen Zuckerrübe, Mais und Kartoffeln lassen die Probeernten böses erwarten: Bei der Zuckerrübe etwa stehen per Mitte August erst 30t/ha auf den Feldern und es ist kaum zu erwarten, dass sich daraus bis Mitte Oktober noch eine normale Ernte mit 75t ergeben wird. Der Mais wiederum ist extrem gestaucht und in der Folge sind auch die vorhandenen Kolben eingekürzt – hier scheinen Erträge zwischen 3-6t/ha realistisch, weit entfernt von einer normalen Ernte mit 10-12t.

 

Landwirte müssen aktiv gegensteuern!

Viele Landwirte nehmen diese Missernte mit einem bewundernswerten Gleichmut hin – „nächstes Jahr wird es wieder anders“ hört man oftmals. Hört man aber genauer hin, dann wird rasch klar, dass der Grund für diesen Gleichmut eine Hoffnungslosigkeit ist: Man fühlt sich machtlos, hat keine Ideen, vielfach weiß man ohnedies nicht, wie es mit dem Betrieb weitergehen wird und lässt die Dinge daher laufen. Manche steigen deshalb auch auf Bio um, da sind die Ertragserwartungen sowieso ganz klein, dafür locken aber kurzfristig hohe Ausgleichszahlungen sowie hohe Produktpreise – eine Langfriststrategie sieht wahrlich anders aus. In Wirklichkeit müssen solche Extremjahre zu einem Umdenkprozess führen, aus der notbedingten Unruhe des landwirtschaftlichen Unternehmers müssen kreative Lösungen entstehen.

In der Folge möchten wir einige Lösungsansätze aufzeigen:

1. Fruchtfolgen hinterfragen und neu ordnen: Jede Ackerkultur erbringt eine Marktleistung und verursacht Kosten. Der sich ergebende Deckungsbeitrag kann über Fruchtfolgen geschätzt werden; dadurch wird die vermeintliche Vorzüglichkeit einer Kultur auch bezüglich ihrer Vorfruchtwirkung kritisch hinterfragt. Also zum Beispiel ein spätgebauter Winterweizen nach Zuckerrüben – mit wie viel Minderertrag muss ich rechnen und laste ich das der Rübe an oder gibt es eine Kultur, die nach Rübe weniger leidet? Dieses Schema kann man für den ganzen Betrieb durchziehen und parallel jeden Schlag einzeln mit Ertragspotentialen (oder Bodenzahlen) versehen. Vielleicht kommt man so zu einem ganz anderen Ergebnis und Betrachtungsweise liebgewonnener Dinge aus der Praxis.

2. Kosten reduzieren, Arbeitsschritte hinterfragen: Die Zunahme der sogenannten Arbeitserledigungskosten war in den letzten Jahren rasant und konnte nur durch hohe Naturalerträge aufgefangen werden. In einem schlechten Erntejahr sind die Auswirkungen für die Betriebe fatal, da die Kosten stehen bleiben, aber die Umsätze fehlen. Umso wichtiger ist das kritische Hinterfragen vieler Arbeitsschritte, von Bodenbearbeitung bis zum ertragssichernden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Wir werden uns in Zukunft mit weniger Arbeitsgängen zufriedengeben müssen, Arbeitskosten und Betriebsmittel einsparen. In der Folge auch mit Investitionen in Maschinen und Geräte haushalten; hier wird v.a. der überbetriebliche Maschinen- und Geräteeinsatz ein Schlüssel zum Betriebserfolg sein.

3. Wasserhaushalt und Bodenqualität: Nur wenige Betriebe verfügen über die Möglichkeit zur Bewässerung. Umso wichtiger ist es daher, sich auf die abzusehenden knappen Niederschlagsverhältnisse einzustellen und daraus ein Maximum für die Kulturpflanzen zu machen. Dies gelingt durch das Offenhalten der Böden, damit Wasser jederzeit einsickern kann. Weitere Maßnahmen sind eine wassersparende Bodenbearbeitung, die Vermeidung von Sperrschichten, die Hebung der Bodenqualität durch langjährige Humuswirtschaft und den Einsatz organischen Wirtschaftsdüngers sowie eine gezielte Ausgleichsdüngung zur optimalen Einstellung der Pflanzen auf Hitze und Trockenheit. Und man sollte Bescheid wissen über den Wasserverbrauch der unterschiedlichen Kulturpflanzen und daraus eine Wasserbilanz über die Fruchtfolge abschätzen. Ebenfalls sorgsam sollte man mit Winterbegrünungen umgehen, neben phytosanitären Folgewirkungen gilt es v.a. den Wasserverbrauch im Auge zu behalten: Eine etwa 80cm hohe Begrünung hat einen Wasserbedarf von 80mm (80l/m²) – für das Trockengebiet ein Luxus!

 

Schlussfolgerungen

Die wiederkehrenden Trockenperioden mit Hitze müssen in den betroffenen Regionen zu einem Umdenken führen. Fruchtfolgen, Ertragserwartungen und Betriebseinkommen sind an den knappen Faktor Wasser anzupassen. Althergebrachte Leitsätze wie „Rübe zahlt alles“ zählen nicht mehr. Vielmehr sind innovative Fruchtfolgen und optimierte Arbeitsmethoden gefragt.

Es bleibt zu hoffen, dass sich in Europa die Märkte für die für eine gesunde Fruchtfolge wichtigen Leguminosen (Soja und Erbse) besser entwickeln. Ebenso wichtig wird es sein, dass die politisch propagierten Versicherungslösungen auf Dürre endlich praxistauglich werden und besser als bisher funktionieren. Ein Landwirt, der aktiv auf die Entwicklungen reagiert und nicht passiv bei alten Methoden verharrt, kann mit einem perfekt angepassten Pflanzenbau jedenfalls auch bei knappen Niederschlägen erfolgreich sein.

2018-01-04T10:56:13+02:00