//Biodiversität und Artenvielfalt – ein klares Ziel vor Augen

Biodiversität und Artenvielfalt – ein klares Ziel vor Augen

Streuobstwiese - gerade in Trockenjahren ist Saftfutter für Wildtiere extrem wichtig
© Gutsverwaltung Hardegg

Die Anlage von Biodiversitätsflächen bildet Lebensraum für Insekten und Wildtiere
© Gutsverwaltung Hardegg

Singvögel an einer beliebten Futterstelle im Winter
© Gutsverwaltung Hardegg

Landwirtschaft und das Problem Kommunikation

Für die Landbewirtschafter ist es ein berufliches Selbstverständnis, mit ihren Ressourcen sorgsam umzugehen. Kein Wunder, die Betriebe sind ja auch seit Generationen auf Langfristigkeit ausgerichtet. Kein vernünftiger Landwirt würde auf
die Idee kommen, die Umwelt zu verschmutzen oder seine Nutztiere schlecht zu halten. Ganz im Gegenteil, ein zukunftsorientierter Landwirt erbringt eine Vielzahl von ökologischen Leistungen, welche einen besonderen Wert darstellen. Das Problem ist nur, dass das nicht aktiv erfasst und kommuniziert wird und somit auch fast niemand weiß. Es muss gelingen, die Landwirte im Bereich der Umwelt, der Biodiversität und des Artenschutzes als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems zu positionieren. Wie aber kann es nachvollziehbar gelingen, der Gesellschaft die vielfältigen und wertvollen Leistungen der Landwirte zu erklären?

 

Neues Ziel Biodiversität

Schaffung und Erhaltung von Artenvielfalt und Biodiversität als klares Ziel der Land-
wirtschaft haben ein hohes Maß an Relevanz. Ackergräser und -kräuter sowie Wildtiere sind gute Zeiger für eine intakte Umwelt und ein hochwertiges Gleichgewicht. Grundlagenstudien des britischen Game and Wildlife Conservation Trust zufolge kann dies mit einer Einbringung von 7% der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) eines Betriebes erfolgen, sowie durch begleitendes Füttern und Lebensraumbetreuung. Speziell Niederwild und Singvögel sind bestens geeignet, von Landbewirtschaftern beobachtet und erfasst zu werden. Als Ergebnis kann der Landwirt so die von ihm erbrachte Umweltleistung dokumentieren.

 

Singvogelzählung

Die Gutsverwaltung Hardegg nahm Anfang des Jahres zum 4. Mal an dem inter-
nationalen Farmland Bird Count des GWCT teil, dabei wurden insgesamt beachtliche 112 Singvogelarten in landwirtschaftlichen Betrieben gefunden. Die 2017 erstmals in Österreich erfolgreich durchgeführte Schulung mit über 30 Teilnehmern wird 2018 fortgesetzt werden (09.-18. Februar 2018).

Wir haben uns die Ausweitung an Teilnehmern vorgenommen sowie die Erweiterung um Tschechien, Ungarn und die Slowakei. Ziel ist es, möglichst viele Landwirte für das Thema Artenvielfalt zu begeistern und Interesse zu wecken, die am Betrieb vor-
handenen Singvögel zu bestimmen und zu zählen.

 

Leitbetrieb

Die von der Gutsverwaltung Hardegg als Leitbetrieb gewonnen Erkenntnisse können natürlich auch in agrarische Programme einfließen. In der ersten Hälfte 2018 werden ja erste Weichen für die zukünftige europäische Agrarpolitik (GAP) gestellt und es bleibt zu hoffen, dass man sich statt einer Vielzahl an indifferenten Maßnahmen vermehrt auf messbare und sinnvolle Ziele einigt. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die bei uns gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse mit unseren Kollegen und der interessierten Öffentlichkeit zu teilen.

 

Schlussfolgerungen

Biodiversität und Artenvielfalt eröffnen für die Landbewirtschafter neue berufliche Perspektiven, erhöhen den Wissenstand und das Bewusstsein für Flora und Fauna und haben ein hohes Potential an Motivation. Über Flächeneinbringung, Fütterung und Lebensraumbetreuung kann Biodiversität erreicht werden. Singvogelzählungen im Winter durch die Landbewirtschafter sind nicht nur hochspannend, sondern auch der Beweis dafür, dass Biodiversität und zeitgemäße Landwirtschaft kein Widerspruch sind.

2018-01-04T10:56:13+00:00